Wochenspiegel – nicht mehr für Veggies

Wochenspiegel

Der Salat als letzte sozial tolerierte Bastion des Fleischlosen soll wohl auch für Carnivoren interessant werden...

Viele von uns fischen ihn mittwochs und samstags aus dem vollgestopften Briefkasten: den Wochenspiegel. Wir auch wieder, seitdem unser Bitte-keine-Reklame-Schildchen abgefallen ist. Nun ist das bunte Anzeigenblatt nicht gerade der Hort eines hochwertigen Journalismus. Nicht mal annähernd. Doch trotzdem, ab und an gucke ich mal rein.

So auch heute. Der uninteressante Lokalkram war schnell überflogen, doch auf Seite sechs blieb ich hängen. Drei Salatrezepte waren dort abgedruckt, darüber die fette Überschrift “Nicht nur für Veggies.”

Ich stutze und las genauer. Und tatsächlich: Rezept eins war ein Rindfleischsalat, Rezept zwei beinhaltete Leichenteile von Thunfischen, nur das dritte begnügte sich mit Hühnereiern.

Ich grübelte. Was will uns die Redaktion damit sagen? Warum nicht nur für Veggies? Dann fiel der Groschen. Klar, das ist Fleischesser-Denke par excellence! Salate sind eine weitgehend fleischfreie Angelegenheit. Wie oft waren sie die einzige Alternative für uns, wenn ein Gastgeber mal wieder nur für Carnivoren gekocht hatte.

Doch ein echter Fleischesser braucht nicht nur sein tägliches Schnitzel auf dem Teller, sondern auch im Salat! Will heißen, Salate sind die letzte sozial tolerierte Bastion des Fleischlosen auf den Tischen der Leichenfledderer. Und diese gilt es einzureißen! Das Fleisch muss rein ins Grünzeug, damit die Knochenlutscher auf ihre Kosten kommen!

So, oder so ähnlich hat man wohl im Herrenholz (Redaktionssitz) gedacht. Ein paar Seiten weiter geht es dann übrigens um ein Kätzchen aus dem Kücknitzer Tierheim, das ein neues Zuhause sucht. Die einen werden gequält, getötet und kommen in den Topf (oder neuerdings dann die Salatschüssel), die anderen werden verhätschelt und sollen es gut haben. Schmerz, Leid können sie alle spüren. Speziezistische Doppelmoral lässt grüßen.

 

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