Werbung für Spanferkel-Buffet: Gedankenlos, zynisch oder einfach nur grausam?

spanferkel_zynismusSoso, das “Klubhaus mit Herz” des TUS-Lübeck lädt ein zum leckeren Spanferkel-Buffet. Und illustriert das ganz besonders liebreizend auf seinen Plakaten am Sportplatz – samt Foto eines getöteten und aufgeschlitzen Schweines.

Mal ehrlich, wie kann man neben dem Foto der Leiche eines Lebewesens den Schriftzug “Klubhaus mit Herz” abdrucken? Macht sich da noch überhaupt jemand ansatzweise so etwas wie Gedanken?

Etwa darüber, dass das abgebildete Tier ohne Leiden leben wollte – so wie wir alle? Oder darüber, dass Schweine zu einem komplexen Sozialleben fähig sind, recht ansehnliche kognitive Leistungen vollbringen können und individuelle Bedürfnisse haben?

Hier geht mutmaßliche Gedankenlosigkeit respektive enthirnte Blödheit nahtlos in grausamen Zynismus über. Ein Paradebeispiel für Destruktivität der menschlichen Spezies – abscheulich und beschämend.

 

Rind mit Kochmütze – auch im Lübecker Wochenspiegel wird aus Gedankenlosigkeit böser Zynismus

Das tanzende Hähnchen, das seine Schenkel auf einem Tablett präsentiert. Das lachende Schwein in der Schürze, das eine Wurst auf der Gabel hält. Gedankenlosigkeiten wie diese sehen wir fast täglich an Metzgereien oder Imbissen. Sie sind bitterböser Zynismus, denn das leidende und zum Sterben verurteilte Lebewesen Tier präsentiert freudig seine eigenen Körperteile. Provokantes Gedankenspiel: Wie sähe das beim Tier Mensch aus, Stichwort Holocaust? Ein lachender Häftling, der einen Lampenschirm aus Menschenhaut emporhebt?

Auch in der Redaktion des Lübecker Wochenspiegel (24.07, S. 24) herrschte wohl eine kleine hochsommerliche Denkpause. Schlimm genug, dass das Natur- und Genussfestival “Genießerland” die leidensfähigen Mitglieder der Natur vornehmlich als Gaumenfreuden für das Tier Mensch thematisiert. Den Vogel abgeschossen (man goutiere dieses speziezistische Idiom) hat die Redaktion allerdings mit dem Foto eines Galloway-Rindes, das eine Kochmütze trägt. “Beim Genießerland-Festival ist zwar nicht das Rind der Koch, aber frisches Galloway-Fleisch wird vielerorts serviert“, heißt es dazu.

Ins Gedankenexperiment übersetzt: “Beim Massaker ist zwar nicht der XXX (Platzhalter für eine diskriminierte Ethnie) Opfer des Todesschützen / Sargschreiners, aber Leichen fallen vielerorts an.”  Auf dem Foto wäre dann wohl ein Mensch zu sehen, der seinen eigenen Sarg unter dem Arm trägt. Nur zur Erinnerung, liebe Wochenspiegel-Redaktion: Auch Tiere wollen kein Leid spüren sowie zufrieden und selbstbestimmt leben. Genauso wie Sie und wir alle.

 

Edeka und die Kuh

Dumme Imagewerbung auch bei Edeka

Dumme Imagewerbung auch bei Edeka

„In den letzten hundert Jahren haben wir schon mit ihrer Mutter, Großmutter und Urgroßmutter zusammen gearbeitet“ teilt uns Edeka (Ratzeburger Allee, Wirth-Center) werbewirksam mit. Klingt ja ganz nett auf den ersten Blick, nach partnerschaftlicher Kooperation und produktiver Zusammenarbeit. Einzelhändler und Kuh treten gemeinsam für eine gute Sache ein: die Versorgung der Verbraucher.

Auch das ist wieder ein typisches Beispiel für eine dummdreiste Imagewerbung, die die brutalen und lebensverachtenden Praktiken der Fleisch-, Milch- und Eiproduktion beim Verbraucher hoffähig machen sollen. Oder ihn besser garnicht darüber nachdenken lassen sollen, wie all die tierlichen Produkte hergestellt werden. Stichworte: Verharmlosung, Desinformation, Lüge.

Wir meinen: Für wie dämlich hält uns ein Handelsunternehmen, das uns derart plumpe Aussagen zumutet? Ganz klar für sehr dämlich. Und wollen wir wirklich Kunden eines Unternehmens sein, das uns für blöde hält? Eben.

Sauwohl oder dummdreist?

Dummdreiste Imagewerbung des Bauernverbandes Schleswig-Hoslstein

Dummdreiste Imagewerbung des Bauernverbandes Schleswig-Hoslstein

Nicht Klappern, sondern dreistes Lügen gehört zum ureigensten Handwerk von Industrie und Wirtschaft. Die Atomindustrie hält ihre Stahlenschleudern für bombensichere Sauberstromfabriken, Monsanto verkauft seine gefährlichen Genmanipulationen als Sicherung der Welternährung, und Nestle will uns weismachen, die Privatisierung der Wasserversorgung bedeute bezahlbares Trinkwasser für die Weltbevölkerung.

Klar, dass sich da auch die Tiere in deutschen Ställen, Mastanlagen und Tierfabriken sauwohl fühlen. Ein Schwein, das innerhalb von acht Monaten unter massivem Medikamenteneisatz in engen Gestellen ohne Freilauf und Tageslicht auf sein Schlachtgewicht geprügelt wird, um anschließend bestialisch getötet zu werden, muss sich einfach sauwohl fühlen. Besser könnte es diesem Tier nicht gehen. Und dümmer könnte der Bauernverband kaum Imagewerbung betreiben. Dreister lässt sich kaum lügen, für dümmer könnte man uns kaum verkaufen.

Wenigstens den Slogan hätten man ein wenig selbstironisch formulieren können in „Leidenschaft, die Leiden schafft“.

Tierschutzbund hilft Fleischindustrie beim Greenwashing

Umwelt- und Tierschutzorganisationen genießen meist einen guten Ruf, die Fleischindustrie dagegen eher nicht – außer vielleicht bei notorischen Wurstwänsten und Speckgesichtern. Warum also nicht kooperieren? Natürlich gegen Bares oder andere Gefälligkeiten. Greenwashing nennt man diese Form der Imagepflege, bei der NGOs ihre Namen für solch niedere und fragwürdige Zwecke hergeben.

Ein aktuelles Beispiel liefert der Deutsche Tierschutzbund. Er hat ein Label geschaffen, das dem Verbraucher eine tierfreundliche Fleischproduktion suggeriert. Damit lässt sich bedenkenloser ins Fleischregal greifen, denn das Label beruhigt das Gewissen. Nun könnte ein solches Label wenigstens dafür sorgen, dass besonders tierquälerisch “produziertes” Fleisch aus den Regalen verschwindet.

Doch weit gefehlt, denn offenbar täuscht das Label des Deutschen Tierschutzbundes den Verbraucher, wie die ARD-Sendung Report Mainz festgestellt hat. Und damit macht sich der Verband zum willfährigen Zuarbeiter der Fleischindustrie.

Dabei ist die Sache sehr einfach: Fleischproduktion (schon der Terminus deutet die Grausamkeit und Inhumanität dieses Prozesses an) ist immer tierquälerisch und verletzt elementare Rechte leidensfähiger und fühlender Lebewesen – egal ob in industrieller Massentierhaltung oder kleinbäuerlichen Biobetrieben.

Video des Sendebeitrages auf YouTube: Report Mainz

Gedankenlos, aber leider der Regelfall…

Gedankenlos: Glücksschweinchen und Schweinenacken zusammen auf einer Seite

Gedankenlos: Glücksschweinchen und Schweinenacken zusammen auf einer Seite

Weihnachten und Sylvester (oder die Jahresendfeier, wie wir Atheisten sagen) sind für Tiere besonders ausgeprägte Massaker-Anlässe. Ob Weihanchtsgans, Forelle oder Festtagsbraten – gerade an den Feiertagen gehört Fleisch für viele auf den Tisch. Das “Fest des Friedens” ist für Millionen gequälter Lebewesen ein Grund für zusätzliches Leid und Tod. Und es machen sich noch viel zu wenige Menschen Gedanken über das immense Leid, das sie durch ihr Essverhalten produzieren.

Der Einzelhandel treibt dieses Unglück noch an. Gerade zu den Feiertagen wird mit allerlei schauerlichen Sonderangeboten geworben. Dabei kommt es zuweilen zu grotesken Widersprüchen, wie ein Prospekt von Plaza zeigt (siehe Foto): Oben rechts in der Ecke lächelt uns ein Glücksschwein entgegen, während kurz darunter scham- und gedankenlos Schweinenacken angeboten wird. Klar, dass auch die Seiten danach ein Sammelsurium von Tierleichenteilen darstellen. Na dann guten Appetit und frohes Massaker-Fest…

Doch nicht “ohne mich”: Irreführende Werbung der Firma Heirler

Irreführende Heirler-Anzeige in der Schrot & Korn 11/12, S. 65

“Ohne mich!” sagt das kleine Hühnchen laut Sprechblase in der Anzeige der Firma Heirler (Schrot & Korn 11/12, S. 65). So ganz ohne das putzige Tierchen kommen die Produkte des süddeutschen Herstellers Heirler-Cenovis aber dann doch nicht aus. Wie der Blick in die Zutatenliste der beworbenen Produkte zeigte, kommt Hühnereieiweiß zur Verwendung (z.B. http://www.heirler.de/wie-huehnchen-nuggets.html am 20.11.2012).

Mehr