Die vier Säulen des Veganismus

Veganismus ist kein kurzfristiger Lifstyle oder eine vorübergehende Modeerscheinung. Veganismus hat auch nichts mit Esoterik zu tun. Die Entscheidung, vegan zu leben, fußt vielmehr auf einer Reihe gründlich und wissenschaftlich untermauerter Überlegungen. Diese haben vier Dimensionen und beschäftigen sich mit folgenden Fragestellungen:

  1. Moralphilosophie: Wie können wir so leben, dass die Sozialwerte aller fühlender Lebewesen nicht beeinträchtigt werden? Dies geht nur durch eine Abkehr vom Recht des Stärkeren als haarsträubend minderwertiger Ethik.
  2. Ökologie: Wie lässt sich die systematische Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen fast aller Spezies auf der Erde stoppen? Vor allem die industrielle Produktion tierlicher Produkte (Massentierhaltung etc.) ist verantwortlich für einen Großteil der Treibhausgas-Emissionen. Ebenso verschlingt sie Unmengen an pflanzlichen Lebensmitteln, die der Welternährung fehlen.
  3. Medizin: Wie kann man sein Leben gestalten, um lange gesund und fit zu bleiben? Die medizinische Faktenlage spricht hier eine überdeutliche Sprache: Fleisch macht krank, Milch und Eier sind auch nicht viel besser.
  4. Politik und Ökonomie: Wie lassen sich menschliche Gesellschaften organisieren, dass alle ihre Mitglieder profitieren – und nicht nur eine kleine mächtige und wohlhabende Minderheit?  Im Kapitalismus beherrscht das alleinige Interesse an Profit alles ökonomische Handeln. Menschen und Tiere werden hier zu Konsumenten und Produktionsmitteln verdinglicht, die einzig und allein dem ökonomischen Profitinteresse dienstbar gemacht werden.

Moralphilosophie: In der Philosophie unterscheidet man Ethik (oder auch Moralphilosophie) und Moral. Ethik geht als „Sittenlehre“ auf Aristoteles zurück und beschäftigt sich mit der theoretisch-rationalen Begründung sittlicher Wertesysteme. Verkürzt gesagt, beschäftigt sich Ethik mit der Frage,  auf welcher Grundlage Dinge als gut oder böse beurteilt werden.  Die Moral hingegen bezeichnet konkrete Wertesysteme, die von Menschen anerkannt und als Handlungsgrundlage herangezogen werden.

Beispiel Fleischesser oder -produzenten: Als zugrunde liegendes Moralsystem lässt sich hier eine Form des „Rechts des Stärkeren“ identifizieren. Diesem zufolge ist es moralisch in Ordnung, wenn ein stärkeres Lebewesen schwächere Lebewesen zu seinem Gunsten ausbeutet. Selbst kurzfristiger Nutzen (Appetit auf Fleisch, finanzieller Gewinn) rechtfertigt millionenfache Ausbeutung, Qual und Tötung anderer Lebewesen. Auch der Speziezismus fällt unter die Kategorie der Moralsysteme, also die Annahme, dass nur dem Menschen qua Gattungszugehörigkeit bestimmte Grundrechte zustehen, anderen Gattungen jedoch nicht.

Ethisch stellt sich hier aber nicht die Frage, wie die Welt ist, sondern wie die Welt idealer Weise sein sollte. Ist es wirklich erstrebenswert, dass Starke die Schwachen ausbeuten? Führt es wirklich zu einem glücklichen Zusammenleben aller, wenn eine einzige Gattung allen anderen Gattungen elementarste Grundrechte abspricht? Lässt sich eine solche Moral generalisieren? Wohl kaum!

Die Frage muss vielmehr lauten, wie das Zusammenleben aller Lebewesen so gestaltet werden kann, dass es kein überflüssiges Leid gibt. Hierzu bedarf es einer Ethik des Mitfühlens, die a) feststellt und anerkennt, dass auch nicht-menschliche Lebewesen immenses Leid wie Schmerz, Angst, Einsamkeit etc. spüren können, b) die ebenso feststellt und anerkennt, dass jedes fühlende Lebewesen danach strebt, Leid zu vermeiden und Freude zu empfinden, und die c) zu dem Schluss kommt, dass es moralisch erstrebenswert ist, so zu leben, dass anderen Lebewesen weder direkt noch indirekt Leid zugefügt wird.

Ökologie: Die ökologischen Folgen der massenindustriellen Fleischproduktion sind verheerend. Ihre immense destruktive Wirkung wächst mit der globalen Nachfrage nach billigem Fleisch ins Unermessliche.

Ein paar ausgewählte Fakten:

  • Der Konsum von Fleisch, Milch und Eiern ist für mindestens 51% der globalen vom Menschen ausgelösten Treibhausgase verantwortlich. Die Produktion von einem kg Fleisch verursacht CO2-Emissionen von etwa 36 kg.
  • Die Erzeugung von 1kg Fleisch verbraucht bis zu 16kg pflanzliche Nahrung und 10 – 20 Tonnen Wasser notwendig (und das vor dem Hintergrund schwerster Hungersnöte).
  • 90% der weltweiten Sojaernte wird an „Nutztiere“ verfüttert
  • Die völlig überfischten Weltmeere stehen kurz vor dem ökologischen Kollaps.

Zugespitzt formuliert, verursacht die Herstellung tierlicher Produkte Klimawandel und Hungersnöte. Und zwar nicht nur indirekt oder zu geringen Anteilen, sondern als einer der Hauptversucher.

Medizinische / gesundheitliche Gründe: Fleisch macht krank, keine Frage. Auch gesättigte tierliche Fette, Wachstumshormone oder Antibiotika in Milch, Käse und Eiern sind nicht gerade gesund. Aber Fakt ist, dass der Mensch prima ohne tierliche Lebensmittel leben kann, ohne Mängel zu erleiden (einzige Ausnahme: Vitamin B12). Er muss keine tierlichen Produkte zu sich nehmen, um fit, gesund und leistungsfähig zu bleiben. Alles, was der Körper benötigt, steckt in Gemüse und Getreide. Auch über seine Eiweißversorgung muss sich der Veganer keine Sorgen machen, schließlich liegt die biologische Wertigkeit des Soja-Eiweißes über dem aus tierlichen Produkten.

Umgekehrt lässt sich eine lange Liste an Krankheiten auf den Konsum tierlicher Produkte zurückführen. So etwa bestimmte Krebsarten, Bluthochdruck, Osteoporose oder Arteriosklerose. Auch besteht ein nachweisbarer Zusammenhang zwischen Fischkonsum und Quecksilberbelastung, sowie generell eine erhöhte Aufnahme diverser Giftstoffe durch den Konsum von Fisch und Milch. Letztere ist – ganz im Gegensatz zur landläufig propagierten Ansicht – alles andere als gesund. So korreliert die Brustkrebshäufigkeit mit der Höhe des Milchkonsums. Ebenso sind die in der Milch oft vorkommenden Wachstumshormone förderlich für Brust- und Prostatakrebs. Fleisch ist also alles andere, als ein Stück Lebenskraft. Und „Die Milch machts“ gilt auch nur für bösartige Tumore.

Politik und Ökonomie: Massentierhaltung ist Folge einer industrialisierten Produktion von Konsumgütern. Aus ihr resultiert auch die verrohte und inhumane Behandlung lebendiger und fühlender Wesen als verdinglichte Waren. Dies ist direkte Folge eines kapitalistischen Wirtschaftssystems, das danach strebt, alles Existierende in ökonomische Größen zu transformieren und ohne Rücksicht auf Verluste zu wachsen. Die Gewinne fließen indes nur in die Taschen einiger Weniger, während die Masse unter sich stetig verschlechternden Lebensbedingungen als Produktions- und Konsumtionsarmee missbraucht wird.  Unter diesem Wirtschaftssystem leiden und sterben nicht nur Milliarden nichtmenschliche Tiere, sondern auch immer mehr Menschen – und das nicht nur in den ausgebeuteten Regionen der Peripherie („Dritte Welt“), sondern zunehmend auch in den entwickelten Zentren. Veganismus kann so auch als Statement gegen diese Form der Produktion und der dahinter wirkenden Ideologie verstanden werden.

 

 

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One Comment

  1. Ein ganz wichtiger Beitrag für die Aufklärung, vielen Dank!!!
    Dieses Thema sollte insbesondere auf Schulen gelehrt werden damit die neue Generation ein besseres Bewußtsein bekommt.
    Viele Menschen die sich mit dem Thema nicht ausseinandergesetzt haben, sind immer noch der Meinung: Milch und Fleisch ist wichtig und Gesund für den Körper!
    Leider gehörte ich auch mal dazu. Aber durch Seminare wie (www.morgenstern-gesundheit.de) die kostenlose Vorträge halten wurde ich Gott sei Dank aufgeklärt und bin heute Veganer.
    Meine Lebensqualität und mein Selbstbewußtsein in allen Bereichen hat sich um ein vielfaches gebessert. Ebenso meine geistige Vitalität!!
    Ich wünsche mir das viele Menschen öffentlich in Schulen etc. mehr Aufklärung zu dem Thema bekommen. Liebe Grüße und Gottes Segen

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