Warum vegan?

Vegan leben? Ganz auf tierliche Produkte verzichten? Kein Fleisch, keine Milch, keinen Käse, keine Eier, keine Butter, keinen Honig mehr essen? Geht das überhaupt? Und warum soll man sich so etwas antun?

Um es vorweg zu nehmen: Es geht, und zwar weitaus besser, als man glaubt. Und es macht Sinn: Tierleid wird vermindert, die Umwelt geschont und der eigenen Gesundheit ein Gefallen getan. Man unterstützt nicht mehr ein grausames System der Ausbeutung leidensfähiger Lebewesen, das in globalem Ausmaß die Natur zerstört.

Und: Es schmeckt auch besser. Denn der vegane Speiseplan besteht keineswegs nur aus Häschenfutter, wie gerne kolportiert wird. Es gibt Deftiges, Herzhaftes und Bissfestes. Sogar der Grill lässt sich prima mit veganen Leckereien bestücken – und das ganz ohne Knorpel, Sehnen, Schwarten und anderem Würgzeug.

Hier eine kurze Aufzählung von Gründen, warum man vegan leben sollte.

Ethische Gründe:

  1. Tiere sind fähig, Leid und Schmerz zu spüren. Tiere wollen Leid und Schmerz vermeiden – genauso wie wir menschlichen Tiere. Wenn wir selbst ohne Leid und Schmerz leben wollen, müssen wir das auch anderen Lebewesen zugestehen. Für die “Produktion” tierischer Produkte müssen Tiere aber unfassbares Leid und Schmerz ertragen. Die vegane Lebensweise boykottiert das.
  2. Tiere wollen leben, nicht sterbengenauso wie wir menschlichen Tiere. Für tierische Produkte müssen sie meistens getötet werden. Und zwar lange bevor ihre biologisch mögliche Lebenszeit abläuft. Wenn wir selbst ein langes, gesundes und zufriedenes Leben anstreben, müssen wir das auch anderen Lebewesen zugestehen. Ohne Einschränkung, es ist ein moralischer Imperativ.
  3. Tiere wollen in Freiheit leben, nicht in Gefangenschaft und fremdbestimmt – genauso wie wir menschlichen Tiere. Es gibt keine artgerechte Tierhaltung. Tierhaltung bedeutet immer Freiheitsentzug und Fremdbestimmung.
  4. Es gibt kein “Recht des Stärkeren”, das eine quälerische Tierhaltung und Tiertötung rechtfertigen würde. Es braucht nicht viel Fantasie, um sich den Terror vorzustellen, wenn ein verallgemeinertes ”Recht des Stärkeren” legitim wäre. Der Terror des NS-Regimes kann als gutes Beispiel dienen. Der Speziezismus (s.u.) ist eine ebenso amoralische Variante des “Rechts des Stärkeren.”
  5. Diskriminierung oder Bevorzugung aufgrund der Zugehörigkeit zu einer besonderen Spezies ist amoralisch. Es gibt keinerlei “Höherwertigkeit” der menschlichen Spezies gegenüber anderen Spezies, die es erlauben würde, Angehörige anderer Spezies zu quälen oder zu töten. Denn alle Spezies haben grundlegende Gemeinsamkeiten: Sie wollen frei von Leid sein, körperlich unversehrt bleiben und ihr Leben erhalten.

Ökologische Gründe:

  1. Tierliche Lebensmittel sind der Klimakiller Nummer Eins. Die”Produktion” von Fleisch, Milch und Eiern ist für mindestens 51% der globalen vom Menschen ausgelösten Treibhausgase verantwortlich. Die Produktion von einem Kilogramm Fleisch verursacht CO2-Emissionen von etwa 36 kg.
  2. Die “Produktion” von Fleisch begünstigt Hungersnöte und Wasserknappheit: Die Erzeugung von 1kg Fleisch verbraucht bis zu 16kg pflanzliche Nahrung und 10 – 20 Tonnen Wasser  (und das vor dem Hintergrund schwerster Hungersnöte). 90% der weltweiten Sojaernte wird an „Nutztiere“ verfüttert. Für den steigenden Bedarf an Futtermitteln (Soja, Weizen) werden immer größere Waldflächen gerodet – auch Regenwald.
  3. Zerstörung der Meeresfauna mit ungeklärten ökologischen Folgen: Die völlig überfischten Weltmeere stehen kurz vor dem ökologischen Kollaps. Die Folgen sind zurzeit kaum vorhersagbar. Riesige Fischfarmen vergiften die Meere mit Exkrementen.
  4. Unverantwortlicher Einsatz von Antibiotika bedroht die Gesundheit. Nicht nur in der Massentierhaltung werden Antibiotika verabreicht, die helfen sollen sollen, die Tiere unter schlimmsten Lebens- (sprich: Produktions-) bedingungen “gesund” zu halten. Gesund bedeutet hier, nicht als Produktionsfaktor auszufallen. Dadurch wird die Entstehung multiresistenter Keime provoziert.

Gesundheitliche Gründe:

  1. Der Mensch kann prima ohne tierliche Produkte Leben.  Eine Ernährung ohne Fleisch, Milchprodukte und Eier ist heutzutage problemlos möglich. Die Auswahl an Alternativprodukten wird immer größer. Soja ist eiweißreicher als Fleisch, das Sojaeiweiß hat zudem eine viel höhere biologische Verwertbarkeit. Mangelerscheinungen sind nicht zu befürchten. Einzig Vitamin B12 muss supplementiert werden.
  2. Tierliche Lebensmittel sind Giftbomben: Nicht nur die unzähligen Lebensmittelskandale haben ans Licht gebracht, wie sehr Fleisch & Co. mit Medikamenten und Chemie belastet sind. Mal ganz abgesehen von unzureichender Kühlung und Lagerung (Stichwort Gammelfleisch).
  3. Tierliche Lebensmittel verursachen Krankheiten: Es ist erwiesen, dass der Verzehr von Fleisch, Eiern & Co.  bestimmte Krebsarten, Bluthochdruck, Osteoporose oder Arteriosklerose begünstigt. Zurzeit gibt es Hinweise für einen positiven Zusammenhang von Fleischkonsum und Alzheimerdemenz. Milch fördert nachgewiesener Maßen die Entstehung von Brust- und Prostatakrebs. 92% aller giftigen Substanzen in Lebensmitteln stammen aus tierlichen Produkten, 47% davon übrigens aus Milch – die damit größer Einzellieferant von Giftstoffen ist. Stimmt, die Milch macht’s!  
  4. Unverantwortlicher Einsatz von Antibiotika bedroht die Gesundheit. Nicht nur in der Massentierhaltung werden Antibiotika verabreicht, die helfen sollen, die Tiere unter schlimmsten Lebensbedingungen “gesund” zu halten. “Gesund” bedeutet hier, nicht als Produktions- und Kostenfaktor auszufallen. Dadurch wird die Entstehung multiresistenter Keime provoziert, was letztendlich und unter ungünstigen Umständen die menschliche “Zivilisation” bedrohen kann.

Politische Gründe:

  1. Die Lebensmittelindustrie als Teil des kapitalistischen Ausbeutungssystems:   Massentierhaltung ist Folge einer industrialisierten Produktion von Konsumgütern. Aus ihr resultiert die verrohte und inhumane Behandlung lebendiger und fühlender Wesen als verdinglichte Waren. Dies ist direkte Folge eines kapitalistischen Wirtschaftssystems, das danach strebt, alles Existierende in ökonomische Größen zu transformieren und ohne Rücksicht auf Verluste zu wachsen. Die Gewinne fließen nur in die Taschen einiger Weniger, während die Masse unter sich stetig verschlechternden Lebensbedingungen als Produktions- und Konsumtionsarmee missbraucht wird.  Unter diesem Wirtschaftssystem leiden und sterben nicht nur Milliarden nichtmenschliche Tiere, sondern auch immer mehr Menschen – und das nicht nur in den ausgebeuteten Regionen der Peripherie („Dritte Welt“), sondern zunehmend auch in den entwickelten Zentren. Veganismus kann so auch als Statement gegen diese Form der Produktion und der dahinter wirkenden Ideologie verstanden werden.

Was spricht gegen den Konsum von Eiern?

  • Generell sind auch Legehennen zu einem Leben in völliger Unfreiheit verurteilt. Die Haltebedingungen (Käfig-, Boden-, Freiland- und Biohaltung) widersprechen elementarsten Grundbedürfnissen (Nahrungssuche, Sozialverhalten, Ruheverhalten, Körperpflege) der Tiere und verursachen z.T. schwere körperliche Schäden sowie Infektionserkrankungen.
  • Männliche Küken sind für die industrielle Verwertung nutzlos und werden aussortiert und getötet (meist geschreddert).
  • Die Überzüchtung auf eine möglichst hohe Eierproduktion hat immense körperliche Schäden zur Folge (Osteoporose, Knochenschwäche).
  • Eine Legeperiode dauert i.d.R. nur 12 bis 15 Monate. Danach nimmt die Legeleistung ab und das Tier wird für seinen Ausbeuter unrentabel. Dann wird es geschlachtet und als Suppenhuhn vermarktet – 32 Millionen Legehennen sterben auf diese Weise jährlich in Deutschland.

Und was spricht gegen den Konsum von Milch?

  • Weibliche Rinder geben – wie alle Säugetiere – nur dann Milch, wenn sie ein Kalb geboren haben. Daher werden sie einmal jährlich künstlich befruchtet. Nach der Geburt der Kälber werden diese sofort vom Muttertier getrennt, was zu einer tiefgreifenden Verstörung der Tiere führt (“seelische Grausamkeit”). Diese Trennung erfolgt, um zu verhindern, dass die Kuhmilch vom Kalb getrunken wird und so nicht mehr rentabel verwertet werden kann.
  • Die Haltebedingungen in Milchbetrieben widersprechen in aller Regel den Bedürfnissen der Tiere nach Auslauf und Bewegung. Auch ihre Grundbedürfnisse (Nahrungssuche, Sozialverhalten, Ruheverhalten, Körperpflege) können nicht ansatzweise befriedigt werden. In der Anbindehaltung stehen die Tiere in engen Boxen und sind gezwungen, eine Stehposition oft ihr Leben lang beizubehalten. Aber auch die verbreitete Laufstallhaltung bietet den Tieren viel zu wenig Bewegungsplatz.
  • Ohne menschlichen Eingriff würden Kühe nur 8 Liter Milch pro Tag produzieren. Da dies unrentabel wäre, setzt man in der Milchproduktion auf Hochleistung gezüchtete Kühe ein, die bis zu 60 Liter Milch täglich abgeben. Dies führt schnell zu körperlichen Schädigungen und schnellem physischen Verfall.
  • Bereits nach vier bis fünf Jahren lässt die körperliche Leistungsfähigkeit der Tiere nach. Die Milchmenge sinkt und die Kuh ist nicht mehr rentabel für ihren Ausbeuter und wird geschlachtet. Dabei wird das Tier mit einem Bolzenschussgerät betäubt. Anschließend wird es an einem Bein festgekettet und die Höhe gezogen. Es folgt ein Schnitt durch die Halsschlagadern, dann blutet das Tier aus. Erst dabei tritt der Tod ein. Durch unsachgemäße Arbeit des Personals beim Einsatz des Bolzenschussgerätes erlebten im Jahr 2010 noch etwa  7% aller Rinder ihre grausame Tötung bei vollem Bewusstsein.

3 Comments

  1. Eine schöne Seite. Macht weiter so.

  2. Schöne detaillierte Zusammenfassung! Grüße Robert

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