Meinungsmache auf 3sat

Medien machen Meinung. Fleischkonsum und Anti-Veganismus erhalten nur allzu häufig Schützenhilfe durch eine unkritische und industriefreundliche Berichterstattung. Neustes Beispiel: Die Reportage “Glückliches Biotier?” von Sven Jaxx, gesendet am 14. 10. 2011 um 20.15 Uhr auf 3sat.

Dass sich die Reportagen öffentlich-rechtlicher Medien durch ein hohes journalistisches Niveau auszeichnen, gehört schon lange der Vergangenheit an. Immer häufiger wird unverhohlen versucht, bestimmte Meinungen und Interessen medial zu befördern. “Um den wachsenden Hunger der Welt mit bezahlbarem Fleisch zu versorgen, ist eine konventionelle – sprich massenindustrielle Tierhaltung – unabdingbar” lautete der Tenor der 45 minütigen Zumutung, die Jaxx neulich seinem Publikum servierte.

Zur Sprache kam zunächst ein Bio-Landwirt, der seine “artgerchte” Tierhaltung mit durchaus löblichem Eifer gegen die konventionelle Konkurrenz verteidigte. Zwar schien es seinen Hühnern und Schweinen wohl ein wenig besser zu gehen, als ihren Artgenossen im Industrie-KZ. Doch besonders glücklich wirkten auch seine Tiere nicht, die auf immer noch viel zu engem Lebensraum ihrem nahen Tod entgegen gackerten. Hier von “artgerecht” zu sprechen ist ein zynischer Euphemismus. Dennoch, die biologisch-dynamische und pseudo-artegrechte Haltung wurde zumindest aus der Überzeugung praktiziert, den armen Kreaturen etwas Gutes zu tun. Dass auch hier die Logik nicht zu Ende gedacht wurde und daher zur Farce verkommt, steht auf einem anderen Blatt.

Die nächste Farce wurde uns in Form eines entfremdeten Veterinärmediziners serviert, der in einer Hannoveraner Hochschule die Auswirkungen der Massenhaltung auf zusammengepferchte Tier-Waren erforschte. Natürlich nicht, um die Existenzbedinungen seiner Forschungsobjekte zu verbessern, sondern in Hinblick auf die Steigerung ihrer ökonomischen Verwertbarkeit unter lebensunwürdigen Bedingungen. Ganz im durchkapitalisierten Sinne der Industrie. Der Mann war schon so sehr im Sumpf seiner perfiden Industrielogik gefangen, dass er sich entblödete, Massentierhaltung mit dem Stadtleben und seinen infrastrukturellen Annehmlichkeiten zu vergleichen (!). Wenn man Landleben gewohnt sei und in die Stadt käme, sei das zunächst  ein Schock, so der wackere Industriediener. Aber irgendwann gewöhne man sich daran und finde Gefallen an den Vorteilen. Dümmer geht’s nicht – da hilft auch kein Doktortitel.

Einen solchen hatte wohl auch der aufgedunsene und übergewichtige Bartträger, der als Lebensmittelchemiker seinen Senf dazu geben durfte. Auch er ein Lakai der mächtigen Industrie, salbaderte er herum, dass konventionelle Massentierhaltung der einzige Weg sei, den Welthunger nach bezahlbarem Fleisch zu stillen. Und überhaupt, ohne Massentierhaltung gäbe es doch gar nicht genug Dünger für die Pflanzenproduktion und wir müssten alle verhungern. Die Massentierindustrie als ehrbare Retterin der Welt. Klar, dass so jemand selbst für die sogenannte biologische Tierhaltung nur ein müdes Lächeln übrig hat. Aus den Augen eines unterernährten Dritt-Weltlers sei das doch nur die Produktion teurer Luxusgüter für gut betuchte Privilegierte. Massentierhaltung aus sozialer Verantwortung – auf so etwas kann nur jemand kommen, dessen einziger Sport darin besteht, sich pfundweise Billigfleisch in den Rachen zu stopfen. Täglich.

Zur Sprache kamen noch ein paar Fleischproduzenten sowie ein niederländischer Architekt, die allesamt die Vorzüge der modernen konventionellen Tierhaltung priesen. Krampfhaft wurde am Eindruck gearbeitet, Kleingruppen- und Bodenhaltung seien doch eigentlich nichts Schlimmes. Auch der Architekt plante fleißig daran, die entsprechenden Betriebe in “Schweinetürmen” in die Höhe zu stapeln um knappen Raum zu sparen. Mit infantiler Phantasie plapperte er munter drauf los, wie gut es den Schweinen in seinen Hochhäusern dann gehen würde.

Aber auch die “Gegenseite” durfte sich äußern, schließlich ist man ja journalistisch fair und neutral. So gestand man Mahi Klosterhafen von der Albert-Schweitzer-Stiftung für unsere Mitwelt ein paar wenige harmlose Sätze zu, die im Überangebot des pro-industriellen Gesabbers kaum Wirkung zeigten. Sicher hätte Herr Klosterhafen weitaus mehr zu sagen gehabt und das vor der Kamera auch getan – bloß in der Reportage landete davon nicht viel.

Und so hat das affirmative Mediensystem mal wieder der Industrie nach dem Mund geredet und einen Beitrag dazu geleistet, konventionelle Massentierhaltung hoffähig zu machen.  Kein Wort davon, dann man Fleisch eigentlich gar nicht essen muss. Kein Wort davon, wie sehr die Fleischproduktionen für den Welthunger verantwortlich ist, indem sie Unmengen pflanzlicher Rohstoffe verschlingt. Und auch keine Silbe von den verheerenden ökologischen Folgen der massenhaften Fleischproduktion.  Dafür aber die eine anbiedernde Huldigung der kapitalistischen Wachstumslogik, deren Prinzipien keinesfalls in Frage gestellt werden dürfen. Schließlich wollen wir doch alle billiges Fleisch auf unseren Tellern zucken sehen….

 

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