Über den allgegenwärtigen naiven Zynismus

Ein lachendes Huhn wirbt für den Kauf seiner gegrillten Körperteile (Foto: fs)

Metzgereien und Brathähnchen-Grills haben zuweilen ein eigenartiges Weltverständnis: Da wird mit lachenden Schweine- oder Hühnerfiguren geworben, die auf den Verkauf ihrer eigenen Körperteile hinweisen. Verarbeitete Körperteile, für die sie leiden und sterben mussten.

Ich möchte einmal eine bitterböse Analogie zeichnen: Ein Plakat mit einem stilisierten KZ-Häftling, der eine Lampe in seiner Hand hält. Ihr Schirm besteht aus Menschenhaut, und das Werbeplakat hängt an einer Verkaufsstelle für solche Lampen. Übertrieben? Geschmacklos? Bösartig?

Nein, denn der einzige hier relevante Unterschied zwischen Häftling und Huhn besteht in ihrer Zugehörigkeit zu einer besonderen Spezies. Doch beide Spezies wollen ein freies, selbstbestimmtes Leben ohne Leid und willkürlichen Tod führen –  dies ist ihr elementarstes Bedürfnis. Keinesfalls möchten sie für profane Zwecke gequält und getötet werden.

Aber weshalb wirbt man mit lachenden Hühnern und Schweinen für fragwürdige Gaumenfreuden? Ist es Gedankenlosigkeit, Naivität oder einfach nur böser Zynismus? Sicher ist von allem etwas dabei. Wofür dieses Phänomen aber hauptsächlich steht, ist die Verdrängung. Die Verdrängung all jener Prozesse, die eben zum Brathähnchen oder Schweinebraten führen: Eine qualvolle Aufzucht unter schlimmsten Bedingungen, eine kurzes, trostloses Dahinvegetieren in den Barracken der Mastbetriebe und ein oft sehr schmerzhafter Tod.

Und so schlägt im Werbebild die einfache Verdrängung in einen bitterbösen, naiven Zynismus um, der die Folge einer amoralischen Ignoranz und Gleichgültigkeit gegenüber den Lebensbedürfnissen unserer Mitlebewesen ist.

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3 Comments

  1. Hallo Frank, danke – ich habe mich genau das als Kind immer schon gefragt, wenn ich die lachenden Schweinefiguren im Schlachterfenster gesehen habe, aber alle Erwachsenen habe mich ausgelacht…
    Die meisten Fleischesser wissen genau, was sie für Schaden und Quälerei anrichten (das zeigt sich schon durch die aggressive Defensive, in die sie meistens gleich gehen, wenn man das Thema harmlos anspricht), aber wollen das nicht wahrhaben und werden natürlich auch entsprechend z.B. durch lustige Bildchen und Fake-Gütesiegel unterstützt.
    Auf Zigaretten darf jetzt stehen, was sie mit unserem Körper machen – es müsste auch auf Fleischprodukten stehen dürfen, was dafür mit anderen Lebewesen passiert!

    • Hallo Katrin,

      stimmt, der Gegensatz zwischen den lachenden Tierfiguren und der grausamen Realität der damit beworbenen Produkte könnte größer nicht sein. Schon komisch, dass er kaum jemandem aufzufallen scheint. Da ist ganz klar Verdrängung am Werk – und das deckt sich mit dem, was Du über die “aggressive Defensive” angesprochener Fleischesser schreibst. Und ganz klar, eine Kennzeichnungspflicht für tierliche Produkte müsste eingeführt werden. Leider noch eine Utopie angesichts der Lobbymacht der Agrarindustrie.

      Vegane Grüße

      Frank

      • Ganz ehrlich,das ändert auch nichts,die Menschen rauchen auch weiter. Die Menschen wissen dass für Fleisch Tiere sterben müssen,am Anfang würden sie vielleicht noch denken,iiih wie eklig oder oooh wie furchtbar,aber ich glaube wenn sie sich dran gewöhnt haben gehts weiter wie vorher. Die kinder wären wahrscheinlich beeindruckt davon,aber die meisten Erwachsenen sind zu abgebrüht

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