Vegan auf Reisen – oder wie man zwischen Berlin und Warschau Improvisieren lernt

Mit dem Rad zum veganen Restaurant Kopps in Berlin-Mitte

Mit dem Rad zum veganen Restaurant Kopps in Berlin-Mitte

In den letzten zwei Wochen bin ich umhergereist, und zwar nach Berlin, Posen und Warschau. So sehenswert und begeisternd die Städte alle waren – in  veganer Hinsicht war es eine Reise vom Regen in die Traufe, von Hundert auf Null oder “An” nach “Aus” – oder eben vom veganen Berlin ins nicht-vegane Polen. Einzig im pulsierenden Warschau zeigten sich zarte Lichtblicke…

Berlin ist ein Eldorado für Veganer. In keiner deutschen Stadt dürfte es eine derart große Zahl an veganen Restaurants und Läden geben. Und so schlemmte ich mal wieder lecker im Friedrichshainer Restaurant Vöner. Mehrfach schlug ich mir den Magen mit dem veganen Vönerteller voll, dazu jeweils eine doppelte Portion Pommes und ein Berliner Kindl.

Auch das Kopps von Björn Moschinski hat einen Beitrag zum meiner Sättigung geleistet. In den sehr modern und angenehm eingerichteten Räumen verspeiste ich eine Currywurst mit Pommes und Salat aus der Tageskarte. Currywurst mit Pommes? Das eklige Zeug, das sich die Leute immer an fettstinkigen Fressbuden reinziehen, um ihre Plauze mit weiteren wertlosen Kalorien zu versorgen? Jenes Leibgericht, das von besoffenen Fussballprolls gern als Munition für ihren nächsten Kotzanfall auf dem Stadionklo benutzt wird? Genau, dieses Zeug! Aber, wer hätte das gedacht –  in der veganen Version kommt diese urdeutsche Fastfood-Plempe in einem ganz anderen Gewand daher.  Und die kann sich nicht nur sehen, sondern auch schmecken lassen. Der Clou: Im Kopps schmeckt die vegane Currywurst fast exakt so, wie ihr ethisch und gesundheitlich minderwertiges Vorbild. Jede Wette, ein Fleischesser würde keinen Unterschied merken. Nur vielleicht hinterher, wenn Körper und Geist signalisieren, mit etwas Wert- und Sinnvollem gefüttert worden zu sein. Und nicht mit fettstrotzendem, krebserregendem Tierleichenschredder.

Östlich der Oder sieht die Welt allerdings ganz anders aus. Polen ist ein erzkatholisches Land, und auf dem Weg nach Poznan (Posen) reckt in Swiebodzin eine der welthöchsten Jesusstatuen ihre Hände in den Himmel. Ihr Segen gilt offensichtlich aber nur einer kleinen Minderheit der Schöpfung des Christengottes. Denn alle nichtmenschlichen Tiere genießen in dieser Religion keine besonders hohe Wertschätzung, was man durchaus als Indikator für ihren moralischen Entwicklungsstand werten darf.

Improvisiertes Abendessen: Oliven, Paprika, Bohnen, Knoblauch und Gurken

Improvisiertes Abendessen: Oliven, Paprika, Bohnen, Knoblauch und Gurken

Wie dem auch sei, in Poznan schließlich hatte ich meine liebe Mühe mit der veganen Ernährung. Sicher, Pommes gibt es an jeder Ecke. Und auch eine vegetarische Pizza ohne Käsebelag ist ab und an zu haben. Doch wirklich lecker schmeckt das auf Dauer nicht. Und da das Stadtmagazin “Poznan in your pocket” kein einziges veganes / vegetarisches Restaurant in der langen Liste hatte, blieb mir nur noch der Supermarkt. Und so endeten meine Tage häufig mit improvisiertem Abendessen: Oliven, Paprika, Kapern, Bohnen (!) sowie marinierten Pilzen oder Gurken. Dazu noch ein paar Salzstangen, Kartoffelchpis und eine Dose Slaz-Starkbier mit neun Umdrehungen zum Runterspülen.

Anders war es auch in Warschau nicht. So angenehm, vielseitig und inspirierend die Stadt auch ist, so armselig fällt ihr veganes Angebot aus. Trotzdem ein Lichtblick: Immerhin vermeldet das Stadtmagazin “Insider” zwei (!) vegane / vegetarische Restaurants in der Zweimillionenstadt. Keines davon habe ich besucht, weil mir besagtes Magazin erst am letzten Abend in die Hände fiel. Asche auf mein Haupt. Und so landete auch in Warszawa wieder hauptsächlich mariniertes Gemüse aus Gläsern in meinem Magen. Morgens gab’s Brot mit Pflaumenmus oder Erdnußbutter auf der Stube, weil beim Hotelfrühstück eh kaum etwas Veganes dabei gewesen wäre.

Fazit: Polen ist vielerorts eine vegane Diaspora, in der selbst eine Großstadt wie Poznan (ca. 600.000 EW)  enttäuscht. Allerdings bietet die aufstrebende Hauptstadt Anlass zur Hoffnung. Vielleicht sollten polnische Veganer auch mal nach Berlin reisen – es liegt nicht weit von der Grenze entfernt und bietet sicher die vielfältigsten veganen Inspirationen.

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